Vietnam, Ho Chi Minh City (Saigon)

In Vietnam leben über 26 Millionen Kinder (28% der über 93 Millionen Einwohner Vietnams sind jünger als 18 Jahre). Die Säuglingssterblichkeit liegt bei 20 Sterbefällen pro 1.000 Geburten (Rang 95 von 224 erfassten Ländern).

Trotz des erheblichen Bedarfs existiert insbesondere außerhalb der Ballungszentren Vietnams nur eine rudimentäre Infrastruktur einer Kinderchirurgischen Versorgung, weshalb es an Kinderhilfe zu Teilen mangelt.

Ärzte und Ärztinnen analysieren Zellen von Neugeborenen
Ärzte und Ärztinnen bei einer Operation eines Kleinkindes in Vietnam
Martin Lacher, Kinderhilfsorganisation Leipzig, arbeitet ehrenamtlich in verschiedenen Krankenhäusern in Vietnam

Wir nehmen

ehrenamtlich

komplizierte

chirurgische Eingriffe

an Neugeborenen und Kleinkindern in

verschiedenen

Krankenhäusern

in Vietnam vor. 


Die Stiftung Kinderchirurgie ist seit 2013 in Vietnam aktiv. Aus den bisherigen Besuchen in Ho Chi Minh City (HCMC) (ehem. Name „Saigon“) und Da Nang erwuchs die Erkenntnis, dass die korrekte Indikationsstellung zur OP sowie das prä- und postoperative Management bei Patienten mit angeborenen kolorektalen Fehlbildungen häufig nicht 100% klar ist und mitunter im Langzeitverlauf zu relevanten Komplikationen führen. Als Kinderhilfsorganisation unterstützen wir den Standort „Children's Hospital Nr. 1“ in HCMC und insbesondere die Vietnamesische Oberärztin Dr. Nguyen Bu. Das Children's Hospital 1 wurde 1978 erbaut und ist mit 1600 Betten aktuell das größte Kinderkrankenhaus in HCMC. Täglich werden 5000-6000 Patienten ambulant behandelt. In 8 Operationssälen werden jährlich 600-700 Patienten mit angeborenen kolorektalen Fehlbildungen operiert. Ein standardisierter Diagnostik-, Therapie-, und Nachsorgeplan existiert aktuell nicht. Daher ist das gemeinsame Ziel, die Versorgung der Patienten mit kolorektalen Fehlbildungen in HCMC durch die Erstellung und Umsetzung von Handlungsalgorithmen nachhaltig zu verbessern.

Konkret werden die vietnamesischen Kollegen bei der Durchführung von komplexen Fehlbildungen des Dünn- und Dickdarms unterstützt. Im OP wird ihnen vor allem bei der Anwendung von minimalinvasiven bzw. laparoskopischen Techniken geholfen. Wir diskutierten vor und nach den Operationen viel mit den vietnamesischen Kollegen z.B. während gemeinsamer Visiten auf der Neugeborenen-Intensivstation, um ihnen in dieser Zeit ein Maximum an Knowhow zu vermitteln. Klar ist: Die Umstände sind hinsichtlich Technologie und Infrastruktur mit unserem westlichen Stand der Dinge nicht zu vergleichen. Die Familien der behandelten Kinder hängen z.B. ihre Hängematten im Krankenzimmer auf und campieren dort, bis der kleine Patient wieder entlassen wird. Auch bei der medizinischen Versorgung ist Improvisation die Regel. Einfache Schreibtischlampen werden als Wärmelampen für Säuglinge umfunktioniert, und im Operationssaal herrscht hinsichtlich der Ausrüstung ein deutlich niedrigeres Niveau als beispielsweise in Deutschland. Als internationale Kinderhilfsorganisation wissen wir dennoch: Arbeiten kann man auch limitierten Ressourcen und im Vergleich zu anderen Hilfsprojekten der Stiftung Kinderchirurgie (z.B. in Äthiopien oder Tanzania) sind die Techniken in HCMC weit fortgeschritten. 

Vom 22.02.-02.03.2019 organisierte die Stiftung Kinderchirurgie zusammen mit dem Colorectal Team Overseas (CTO) und der International Alliance for the children of Vietnam (IPSAC) einen kolorektalen Operationskurs in Danang, Vietnam. Dieser fand am „Danang Women and Children's Hospital“ statt. Zusammen mit dem sehr engagierten Team an Vietnamesischen Kinderchirurgen wurden von 30 Kindern 20 Kinder für eine operative Korrektur ausgewählt. Die Operationen erfolgten in drei Operationssälen und wurden live ins Auditorium übertragen und von 300 Teilnehmern verfolgt und diskutiert. Auch operierten wir im Viet Duc Hospital in Hanoi. Das Kinderchirurgische Team von Dr. Hoa hatte 5 Patienten vorbereitet, die einen chirurgischen Eingriff benötigten, die wir ein zwei Sälen operierten.