Unsere kleinen Kämpfer: Inspirierende Geschichten der Hoffnung
Die Stiftung Kinderchirurgie engagiert sich nicht nur lokal, sondern auch international. Eine unserer besonderen Schwerpunkte liegt auf der Zusammenarbeit mit Krankenhäusern und Kinderhilfsorganisationen in Afrika, um Kindern in Not zu helfen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, chirurgische Eingriffe und medizinische Versorgung für Kinder anzubieten, die unter angeborenen Fehlbildungen oder erworbenen Verletzungen leiden.
Kindern verändert. Von erfolgreichen Operationen bis hin zu rehabilitativen Maßnahmen geben diese Geschichten Einblicke in die positiven Auswirkungen unserer Arbeit in diesen Regionen.
Im November 2021 operierten wir die kleine Minja mit einem Fussball-grossen Tumor am Hals (sog. Teratom) oder den kleinen Ephrem, bei dem ein großer Bauchwandefekt (sog. Omphalocele) nach der Geburt nicht verschlossen werden konnte und uns vor eine Herausforderung stellte. Ferner behandelten wir Nanati, das 10-jähriges Mädchen mit einem Lymphbahngeschwulst am Hals. Jedes dieser Kinder sowie deren gesamter Verlauf vor, während und nach der OP ist uns noch genau in Erinnerung. Weil jede Geschichte ganz besonders ist, einfach einzigartig. Weil man ein Lächeln, das uns ein Kind oder eine Familie nach einem gelungenen Eingriff schenkt und das Gefühl, dass sie uns (zurück)gegeben haben, nicht vergisst.
Unsere Patientin, MINJA.
Minja.
Minja wurde mit einem Tumor im Bereich der rechten Halsseite geboren, den man „Teratom“ nennt. Der Name dieses Tumors leitet sich von griechisch teras „Schreckbild, Monster“ und dem Suffix -om, ab. Teratome können „monströse“ Größe annehmen, wie auch bei der kleinen Minja. Familien mit solchen Erkrankungen werden von der Gesellschaft gemieden. Ohne chirurgische Therapie endet die Erkrankung tödlich.
Angeborene Tumore dieser Art werden in medizinisch höher entwickelten Ländern unmittelbar nach der Geburt entfernt. Bei Minja war dies jedoch nicht der Fall, so dass die Raumforderung immer weiterwuchs und eine Größe erreichte, die es dem Mädchen unmöglich machte sich körperlich und geistig weiter zu entwickeln. Auch musste Minjas Blutkreislauf dem Tumor „mit versorgen“, was sehr belastend war. So wuchs sie selber nicht mehr und sah körperlich viel jünger aus. Insbesondere in den letzten Wochen war der Tumor weiter stark gewachsen und platzte an einigen Stellen auf, entwickelte sog. „Ulzerationen“. Diese mussten mit Verbänden und Pflastern abgedeckt werden um eine Infektion zu verhindern. Da das Teratom verdrängend wuchs und auf die Speiseröhre drückte, entwickelte die Patientin eine Schluckstörung. Auch die Luftröhre wurde eingeengt - Minja drohte in den nächsten Wochen zu ersticken.
Für die Familie war die Situation psychisch und familiär sehr belastend. Die ständige Angst um die Lebensfähigkeit der Tochter und die Hilfsbedürftigkeit machte eine Entlassung nach Hause unmöglich. Als deutsche Kinderhilfsorganisation sind wir auch in Afrika tätig, um Kindern und deren Familien in verschiedenen Lebenssituationen zu helfen.
Als wir Minja in Awassa kennenlernten war klar, dass schnell etwas getan werden muss. Natürlich realisierten wir als Ärzteteam, dass nur die vollständige Entfernung des Tumors für das Mädchen eine Option war. Diese war jedoch ein hochriskanter Eingriff, da am Hals viele lebenswichtige anatomische Strukturen verlaufen und wir in Awassa kein „backup“ einer Intensivstation hatten. Jede kleinste Komplikation der oberen Atemwege hätte der Operation eine katastrophale Richtung geben können.
Am dritten Tag unseres Aufenthaltes wagten wir den Eingriff. Kritisch war gleich zu Beginn die sogenannte „Intubation“, der Zeitpunkt an dem der Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt werden muss. Dr. Dietmar Crass, ein ausgewiesener Kinderanästhesist hatte eigens für diesen Eingriff ein spezielles Instrumentarium, ein Videolaryngoskop mitgebracht. Mit diesem gelang die präzise Platzierung des Beatmungsschlauches.
Die chirurgische Entfernung des 3kg schweren Tumors dauerte etwa 3 Stunden. Das Teratom wurde minutiös von den vitalen Strukturen wie Speiseröhre, Luftröhre, Speicheldrüsen und lebenswichtigen Nerven gelöst, die alle geschont werden konnten.
Die Mutter war überglücklich, als Sie ihre Tochter wiedersah: erstmal als „normales“ Kind ohne den entstellenden, stigmatisierenden und bedrohlichen Tumor.
Auch für erfahrene Kinderchirurgen sind solche Eingriffe extrem nervenaufreibend, weil wir immer eines bei solchen Eingriffen fürchten: einem Kind nicht zu helfen und durch eine Komplikation sogar zu schaden. Wir sind sehr dankbar, dass wir Minjas Schicksal eine positive Wendung geben konnten uns sie nun ein ganz normales Mädchen sein darf.
Unsere Patientin, NANATI.
Nanati.
Nanati wurde mit einem Tumor der rechten Halsseite geboren der von aus den haarfeinen Lymphgefäßen entsteht (= Lymphgefäßgeschwulst, medizinisch: „Lymphangiom“ oder „Hygrom“). Lymphbahnen sind Gefäße, die das Gewebewasser (Ödem) über den Milchbrustgang zu den Venen und damit zum Herzen fließen lassen. Lymphangiome weisen üblicherweise eine dem Wachstum des Kindes proportionale Größenzunahme auf und zeigen keine spontane Rückbildungstendenz. Mädchen mit solchen Erkrankungen werden mitunter von anderen Kindern gemieden. Ohne chirurgische Therapie wachsen sie weiter.
Lymphangiome dieser Art werden in medizinisch höher entwickelten Ländern entweder mit verödenden (sogenannten „sklerosierenden“) Substanzen, die man in größere Zysten spritzt, verödet. Eine Alternative ist die operative Entfernung.
Als wir Nanati in Awassa kennenlernten war das bildhübsche Mädchen sehr ernst, hatte Angst und lächelte nicht. Lymphangiome sind „ Eisberg-Tumore “: oft ausgedehnter, als es nach dem äußeren Aspekt aussieht. Genau das ist die Herausforderung bei der Operation. Daher hofften wir, dass wir den Eingriff technisch gut durchführen würden.
Am ersten Tag unseres Aufenthaltes operierten wir das Mädchen. Die Entfernung des Tumors war anspruchsvoll, vor allem die Separation von gesunden Strukturen im Bereich der grossen Halsgefässe und Speicheldrüsen. Insgesamt liess er sich jedoch gut entfernen.
Als wir Nanami am ersten Tag nach der OP auf der Kinderstation wiedersahen konnten wir schon von weitem ihr ausgedehntes und schönes Lächeln sehen. Schauen Sie sich einfach die Bilder selber an. Die Familie war so überglücklich, dass unser Kamerateam nach Hause eingeladen wurde zu einer Kaffee-Zeremonie. Nanati zeigte uns auch, dass sie ganz wunderbar zeichnen kann. Das Ärzteteam konnte hier leider nicht dabei sein, wir waren im OP mit weiteren Fällen beschäftigt.
Als internationale Kinderhilfsorganisation in Afrika unterstützen wir die Ärzte vor Ort mit unseren Kinderchirurgen und allgemein Kindermedizinern, um die Lebensqualität von den Kindern zu verbessern.
Wir sind immer sehr berührt, wenn wir helfen können, ein Lächeln in ein Kindergesicht zu „zaubern“ und uns solche Dankbarkeit entgegengebracht wird. So ein Moment relativiert vieles von dem, was wir täglich zu Hause an Problemen erleben und fokussiert den Moment auf das was im Leben einen hohen Wert hat.
