Frühe Diagnose und Behandlung kann Leben verändern – wir machen sie zugänglich.
Für ihre Projekte sind die Teams der Stiftung Kinderchirurgie regelmäßig weltweit im Einsatz. Im März 2025 führte eine Mission das Team erstmals nach Kathmandu in Nepal. Der Anästhesist Dietmar Craß reiste gemeinsam mit Carmen Craß und Melli Graf, beide Kinderkrankenschwestern, dorthin. Nach mehreren Einsätzen in Afrika, unter anderem in Äthiopien und Guinea-Bissau, war es für das Team der erste Einsatz in Asien.
Anlass für solche Einsätze sind angeborene Fehlbildungen, etwa im Magen-Darm-Trakt. Viele dieser Erkrankungen lassen sich mit einem chirurgischen Eingriff gut behandeln. Bleiben sie jedoch unbehandelt, können sie schwere Infektionen, Schmerzen und dauerhafte Einschränkungen verursachen.
Während solche Fehlbildungen in Deutschland häufig schon vor der Geburt erkannt und direkt nach der Entbindung operiert werden, fehlt in vielen Ländern der Zugang zu früher Diagnose und spezialisierter Behandlung. Genau hier setzt die Arbeit von Dietmar Craß und seinem Team an:
Bei ihren Auslandseinsätzen engagieren sie sich dafür, betroffenen Kindern medizinische Hilfe zu ermöglichen.
Besondere Begegnungen in Kathmandu
Eine Woche lang stand Dietmar Craß gemeinsam mit weiteren ehrenamtlichen Medizinern in Kathmandu täglich im Operationssaal, um insgesamt 16 Kinder zu operieren. In dem rund 30-Millionen-Einwohner-Land gibt es nur ein Kinderkrankenhaus mit fünf Kinderchirurgen, berichtet Craß.
Die jüngsten Patienten waren gerade einmal zwei Tage alt, die älteste Patientin ein 14-jähriges Mädchen mit einem Eierstock-Tumor. Die meisten Kinder litten an Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts. „Den Kollegen vor Ort fehlt es oft an Material oder an passenden Geräten für die Diagnostik“, erklärt Craß.
So konnte das Team aus Deutschland etwa ein Kind behandeln, das nach einer früheren Operation Komplikationen entwickelt hatte – eine Verbindung von Luftröhre zur Speiseröhre verursachte Beschwerden. Dank des mitgebrachten Bronchoskopie-Monitors war eine präzise Diagnostik und Behandlung möglich.
Die Operationen dauerten bis zu sechs Stunden. „Wir hatten zum Beispiel ein Kind mit einem großen Nierentumor, der entfernt wurde“, berichtet Melli Graf. Besonders dieses Mal war, dass viele Kinder bereits voroperiert gewesen waren und nun die Hauptoperation anstand. Zum Glück verliefen alle Eingriffe komplikationsfrei.
Trotz der anspruchsvollen Einsätze fiel die Ruhe des Teams und der Familien in Kathmandu besonders auf. „Die Kinder lernen in der Schule Englisch, und auch die Eltern sprechen meist Englisch“, erzählt Melli Graf. „Selbst in stressigen Situationen blieb immer eine bemerkenswerte Ruhe spürbar“, ergänzt Carmen Craß.
Operiert wurden Kinder aus unterschiedlichsten sozialen Hintergründen. Da die Familien nur einen kleinen Teil der Behandlungskosten tragen müssen und der Rest vom Staat übernommen wird, ist die Versorgung auch für ärmere Familien möglich, erklärt Dietmar Craß. Bei manchen Kindern waren jedoch Anzeichen von Mangelernährung sichtbar. „Ein Kind hatte einen auffällig leeren Blick und total mattes Haar“, erinnert sich Melli Graf.
Für den nächsten Einsatz planen die drei bereits den Herbst, diesmal wieder in Äthiopien. Dort werden aktuell mit Spenden aus „Ein Herz für Kinder“ neue Operationssäle gebaut, die voraussichtlich bis zum Herbst fertiggestellt sein sollen, kündigt Craß an.
