Jul 20, 2026
Martin Lacher

Der neue OP im klinischen Alltag: Gemeinsam für sichere Kinderchirurgie in Hawassa

Der neue OP im klinischen Alltag: Gemeinsam für sichere Kinderchirurgie in Hawassa

Vom 20. bis 28. Juli 2026 war PD Dr. Peter Zimmermann für die Stiftung Kinderchirurgie in Äthiopien im Einsatz. Die Reise führte zunächst nach Hawassa und anschließend nach Addis Abeba. Im Mittelpunkt standen die gemeinsame operative Arbeit mit unseren äthiopischen Partnern, der fachliche Austausch und die Weiterentwicklung unserer langfristigen Projekte.

Hawassa: Der neue OP wird Teil des klinischen Alltags

Die ersten Einsatztage verbrachte PD Dr. Peter Zimmermann in Hawassa am Hawassa University Comprehensive Specialized Hospital (HUCSH) und arbeitete gemeinsam mit Assistant Professor Dr. Wondmagegn „Wonde“ Gizaw Woldesenbet und seinem Team der Pediatric Surgery Unit (20. bis 24. Juli).
Gemeinsam wurden mehrere komplexe kinderchirurgische Eingriffe durchgeführt, darunter Operationen bei anorektalen Fehlbildungen und Morbus Hirschsprung sowie die Versorgung einer komplexen Jejunalatresie. Jede Operation war dabei mehr als ein einzelner Eingriff: Gemeinsam wurde geplant, diskutiert, voneinander gelernt und Wissen weitergegeben. So wächst mit jedem Einsatz nicht nur die Erfahrung des Einzelnen, sondern auch die Stärke des gesamten Teams vor Ort.
Besonders eindrucksvoll war es natürlich, diesmal im neuen kinderchirurgischen Operationsbereich in Hawassa zu arbeiten. Die ersten Operationen fanden dort bereits im Februar 2026 statt, im Juni wurde der neue OP-Bereich feierlich eingeweiht. Nun zeigt sich zunehmend, was hinter dem mehrjährigen gemeinsamen Aufbauprojekt steht: Der neue OP wird Teil des klinischen Alltags und ermöglicht die kinderchirurgische Versorgung unter deutlich verbesserten räumlichen, hygienischen, technischen und anästhesiologischen Bedingungen.
Damit ist ein wichtiger Schritt geschafft. Aus der gemeinsamen Planung und dem Bau einer neuen Infrastruktur ist eine funktionierende klinische Struktur geworden, die nun dauerhaft genutzt werden kann. Für die Stiftung Kinderchirurgie ist dies ein besonders wichtiger Moment, denn nachhaltige Unterstützung zeigt sich nicht allein darin, was gebaut oder angeschafft wird, sondern darin, dass die geschaffenen Strukturen langfristig im lokalen Versorgungsalltag verankert werden.
Die Zusammenarbeit mit Wonde und seinem Team steht dabei beispielhaft für diesen Ansatz. Ziel ist es nicht, dauerhaft mit internationalen Teams vor Ort zu sein, sondern gemeinsam Wissen und Erfahrung weiterzugeben, lokale Expertise zu stärken und die Voraussetzungen für eine zunehmend eigenständige Versorgung auch komplex erkrankter Kinder zu schaffen.

Addis Abeba: Gemeinsam operieren und Strukturen weiterentwickeln

Vom 24. bis 28. Juli ging die Reise weiter nach Addis Abeba.
Am Tikur Anbessa Specialized Hospital (Black Lion Hospital) der Addis Ababa
University arbeitete PD Dr. Peter Zimmermann gemeinsam mit Prof. Tihitena
„Tito“ Negussie Mammo und ihrem kinderchirurgischen Team.

Auch hier wurden gemeinsam komplexe und zeitkritische Fälle sowie
minimalinvasive Eingriffe behandelt. Besonders eindrücklich war die
hochdringliche Resektion des linken Lungenoberlappens bei einem Neugeborenen.

Neben der gemeinsamen operativen Arbeit wurden die nächsten Schritte der
laufenden Projekte besprochen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der weiteren
Verbesserung der perioperativen Sicherheit und des Patientenmonitorings. Dabei
geht es nicht nur um die Bereitstellung medizinischer Geräte, sondern auch um
Schulung, Wartung und die dauerhafte Integration in die klinischen Abläufe.

Die Reise hat erneut gezeigt, wie eng die Zusammenarbeit der Stiftung
Kinderchirurgie mit ihren äthiopischen Partnern inzwischen gewachsen ist. Aus
einzelnen Einsätzen sind langfristige fachliche und persönliche Partnerschaften
entstanden.

Unser Ziel bleibt dabei unverändert: gemeinsam operieren, Wissen weitergeben
und Strukturen schaffen, die bleiben.

Nachhaltige Unterstützung bedeutet für uns, die Arbeit unserer äthiopischen
Kolleginnen und Kollegen nicht zu ersetzen, sondern gemeinsam mit ihnen die
kinderchirurgische Expertise vor Ort weiterzuentwickeln und die Voraussetzungen
für eine langfristig sichere Versorgung zu schaffen.

Der neue OP in Hawassa ist dafür ein sichtbares Beispiel: Was gemeinsam
aufgebaut wurde, ist inzwischen Teil des klinischen Alltags – und schafft eine
wichtige Grundlage für die Zukunft.