6. Jun 2025
Martin Lacher

Nepal Kathmandu

Angeborene Fehlbildungen im Magen-Darm-Trakt lassen sich häufig problemlos operieren - geschieht das jedoch nicht, können sie schwerste Einschränkungen, Infektionen und Schmerzen mit sich bringen. Um Fälle wie diese kümmert sich der Tettnanger Arzt Dietmar Craß mit seinem Team regelmäßig bei seinen Auslandseinsätzen für die Stiftung Kinderchirurgie.

Nepal Kathmandu

Dietmar Craß und sein Team sind regelmäßig für die Stiftung Kinderchirurgie unterwegs. Erstmals ging es diesmal nach Kathmandu in Nepal.

Angeborene Fehlbildungen im Magen-Darm-Trakt lassen sich häufig problemlos operieren - geschieht das jedoch nicht, können sie schwerste Einschränkungen, Infektionen und Schmerzen mit sich bringen. Um Fälle wie diese kümmert sich der Tettnanger Arzt Dietmar Craß mit seinem Team regelmäßig bei seinen Auslandseinsätzen für die Stiftung Kinderchirurgie.

Denn was in Deutschland oft schon pränatal, also im Mutterleib, erkannt und dann gleich nach der Geburt operiert wird, ist in anderen Ländern längst nicht so leicht behandelbar.

Im März ging es für den Anästhesisten Dietmar Craß, seine Frau Carmen Craß und Melli Graf (beide Kinderkrankenschwestern) nach Nepal.

Es war der erste Einsatz für die drei in Asien, nachdem das Team der Stiftung in den vergangenen Jahren in Afrika, in Äthiopien und Guinea-Bissau, unterwegs war. Craß war in der Vergangenheit unter anderem als Chefarzt an der Klinik Tettnang sowie am Klinikum Friedrichshafen tätig und betreibt eine eigene Anästhesie-Praxis.

Insgesamt 16 Kinder operiert

Eine Woche lang stand er mit weiteren ehrenamtlichen Medizinern von früh bis spät in Kathmandu im Operationsssaal, um insgesamt 16 Kinder zu operieren. In dem rund 30 Millionen Einwohner-Land gebe es lediglich ein Kinderkrankenhaus mit fünf Kinderchirurgen, berichtet Dietmar Craß.

Der jüngste Patient bei diesem Einsatz sei gerade einmal zwei Tage alt gewesen, die älteste Patientin ein 14-jähriges Mädchen mit einem Eierstock-Tumor. Alle operierten Kinder litten an Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts. „Den Kollegen vor Ort fehlt es oft an Material oder auch den passenden Geräten zur Diagnostik“, erklärt Craß.

Der Anästhesist berichtet etwa von einem Kind, das nach einer länger zurückliegenden Operation Komplikationen erlitt aufgrund einer Fehlbildung, bei der eine Verbindung von der Luftröhre zur Speiseröhre für Beschwerden sorgt. Mit einem sogenannten Bronchioskopie-Monitor, den das Team aus Deutschland mitbrachte, war eine genaue Diagnostik und Behandlung möglich.

Bis zu sechs Stunden dauerten die OPs. „Wir hatten beispielsweise ein Kind mit einem großen Nierentumor, der entfernt wurde“, berichtet Melli Graf. Eine Besonderheit sei diesmal gewesen, dass viele der Kinder schon voroperiert gewesen seien und nun sozusagen die Haupt-OP auf dem Plan stand. Zum Glück sei alles komplikationsfrei verlaufen.

Auffällig ruhig trotz Stress-Situationen

Einfacher als bei anderen Einsätzen etwa in Westafrika sei die Kommunikation mit den Eltern der kleinen Patienten gewesen, erzählen Carmen Craß und Melli Graf. „Die Kinder lernen dort in der Schule Englisch, und auch die Eltern sprechen meist Englisch“, sagt sie. Auffällig sei gewesen, dass nie Hektik aufgekommen sei: „Die Leute haben selbst in solchen Situationen eine gewisse Ruhe in sich, die sich schwer beschreiben lässt“, so Carmen Craß.

Operiert worden seien Kinder unterschiedlichster sozialer Herkunft. Da die Familien selbst nur einen kleinen Teil des Eingriffs bezahlen müssten und der Rest vom Staat abgedeckt werde, sei die Versorgung auch für ärmere Familien möglich, erklärt Dietmar Craß. Durchaus sichtbar seien jedoch bei manchen Kindern etwa Anzeichen von Mangelernährung gewesen. „Ein Kind hatte einen auffällig leeren Blick und total mattes Haar“, erinnert sich Melli Graf.

Für den nächsten Einsatz soll es für die drei im Herbst wieder nach Äthiopien gehen, wo über Spenden aus „Ein Herz für Kinder“ derzeit neue Operationssäle gebaut werden, die im Herbst fertiggestellt sein sollen, kündigt Craß an.