3. Mär 2026
Martin Lacher

Vietnam

Ho Chi Minh City (Saigon)

In Vietnam leben mehr als 26 Millionen Kinder – rund ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre. Trotz spürbarer Fortschritte liegt die Säuglingssterblichkeit weiterhin bei etwa 20 Todesfällen pro 1.000 Geburten. Besonders außerhalb der großen Ballungszentren fehlt es an einer flächendeckenden kinderchirurgischen Versorgung. Die medizinische Infrastruktur ist vielerorts nur unzureichend ausgebaut – mit gravierenden Folgen für betroffene Kinder und ihre Familien.

Vietnam

Ehrenamtliche chirurgische Hilfe für die Kleinsten: Wir ermöglichen Neugeborenen und Kleinkindern in Vietnam lebensverändernde Eingriffe.

Konkret unterstützen wir unsere vietnamesischen Kolleginnen und Kollegen bei der chirurgischen Versorgung komplexer Fehlbildungen des Dünn- und Dickdarms. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Anwendung minimalinvasiver, laparoskopischer Techniken, die für die kleinen Patientinnen und Patienten schonendere Eingriffe und bessere Heilungsverläufe ermöglichen.

Neben der operativen Zusammenarbeit ist uns der intensive fachliche Austausch ein zentrales Anliegen. In gemeinsamen Fallbesprechungen, während der Visiten auf der Neugeborenen-Intensivstation sowie in prä- und postoperativen Diskussionen vermitteln wir praxisnahes Wissen und entwickeln gemeinsam tragfähige Behandlungsstrategien. Ziel ist nicht kurzfristige Hilfe, sondern nachhaltiger Wissenstransfer auf Augenhöhe.

Gleichzeitig erleben wir täglich die besonderen Herausforderungen vor Ort. Technologische Ausstattung und Infrastruktur sind mit westlichen Standards nicht vergleichbar. Familien begleiten ihre Kinder oft rund um die Uhr und übernachten in Hängematten direkt im Krankenzimmer, bis eine Entlassung möglich ist. In der medizinischen Versorgung ist Improvisation häufig unvermeidlich – einfache Lampen dienen als Wärmespender für Neugeborene, und auch im Operationssaal sind die Ressourcen begrenzt.

Und doch zeigt sich gerade hier die große Stärke des Engagements vor Ort: Mit Kompetenz, Hingabe und bemerkenswerter Professionalität leisten die Teams Enormes für ihre jungen Patientinnen und Patienten. Im Vergleich zu anderen internationalen Projekten der Stiftung sind die chirurgischen Techniken in Ho-Chi-Minh-Stadt bereits weit fortgeschritten – eine wertvolle Grundlage für unsere gemeinsame Vision: jedem Kind, unabhängig von Herkunft oder Lebensumständen, die bestmögliche medizinische Versorgung zu ermöglichen.

Seit 2013 engagiert sich die Stiftung Kinderchirurgie in Vietnam, um Kindern mit schweren angeborenen Fehlbildungen eine bessere medizinische Zukunft zu ermöglichen. Bei unseren Einsätzen in Ho-Chi-Minh-Stadt (ehemals Saigon) und Da Nang wurde deutlich, dass insbesondere bei angeborenen kolorektalen Fehlbildungen Unsicherheiten in der Indikationsstellung sowie im prä- und postoperativen Management bestehen. Fehlende standardisierte Behandlungsabläufe können im Langzeitverlauf zu erheblichen Komplikationen führen – mit belastenden Folgen für die betroffenen Kinder und ihre Familien.

Die Stiftung Kinderchirurgie gGmbH unterstützt daher gezielt das Children’s Hospital Nr. 1 in Ho-Chi-Minh-Stadt und arbeitet eng mit der leitenden Oberärztin Dr. Nguyen Bu zusammen. Das 1978 eröffnete Krankenhaus ist mit 1.600 Betten das größte Kinderkrankenhaus der Stadt. Täglich werden dort 5.000 bis 6.000 junge Patientinnen und Patienten ambulant versorgt; jährlich erfolgen 600 bis 700 Operationen bei angeborenen kolorektalen Fehlbildungen.

Unser gemeinsames Ziel ist es, durch die Entwicklung und Implementierung klarer Diagnostik-, Therapie- und Nachsorgealgorithmen die Versorgung dieser Kinder nachhaltig zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um chirurgische Expertise, sondern um langfristige Strukturen, Wissenstransfer und die Chance auf ein gesundes, würdiges Leben für jedes einzelne Kind.