Als das Team der Stiftung Kinderchirurgie um Prof. Dr. med. Martin Lacher wieder nach Awassa reist, spürt man sofort: Hier wird etwas Neues aufgebaut. In dieser Stadt im Süden Äthiopiens gibt es Kinderchirurgie erst seit kurzer Zeit – und die Not ist groß. Während in Deutschland 140 bis 250 Menschen auf einen Arzt kommen, teilen sich in Äthiopien 36 Millionen Kinder gerade einmal sechs Kinderchirurgen – alle in Addis Abeba.
Das Projekt „Jimma Child“ setzt genau hier an: Es bildet Ärzte zu Kinderchirurgen aus, die später selbst neue Fachkräfte ausbilden sollen. Auch in Awassa wird dieses Konzept umgesetzt. Das medizinische Personal ist hoch motiviert, jede Gelegenheit zu nutzen, um Operationstechniken mit den vorhandenen Mitteln zu erlernen. Für Prof. Dr. med. Lacher und seine Kolleginnen und Kollegen bedeutet das: anpacken, erklären, zeigen – und immer wieder üben.
Die jungen äthiopischen Ärztinnen und Ärzte arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Hygienische Standards sind deutlich niedriger als in Deutschland, die Infrastruktur begrenzt. Doch in den OP-Sälen entstehen beeindruckende Lernerfahrungen: Von Tumoren im Bauch und Brustkorb über Brüche und Weichteilverletzungen bis zu komplexen Fehlbildungen behandeln die angehenden Kinderchirurgen eine Vielzahl von Krankheitsbildern – immer begleitet von erfahrenen Spezialisten wie Oberarzt Dr. Peter Zimmermann vom Kinderklinikum Leipzig, der mehrere Wochen vor Ort verweilt, um sein Wissen weiterzugeben.
Privatdozent Dr. Jochen Hubertus, Gründer des Projekts, bringt es auf den Punkt: „Es ist wichtig, unter solchen Umständen Hilfe zu ermöglichen, die nachhaltig ist und deren Wissen weitergegeben werden kann. So können wir neben der Heilung der Kinder etwas erreichen, das weiterhilft – nämlich die Selbstermächtigung und Weiterentwicklung des klinischen Personals in Jimma und Awassa.“
Jeder Tag im Krankenhaus wird so zu einer Mischung aus Lehrbetrieb und praktischer Hilfe. Für die Kinder bedeutet dies Heilung, für die Ärzte vor Ort eine Chance, selbst bald die Verantwortung zu übernehmen – und für das Team aus Deutschland ein eindrucksvolles Erlebnis, wie medizinisches Wissen weit über Grenzen hinweg Leben verändern kann.
