Wenn das Team der Initiative CTOverseas in China landet, liegt mehr vor ihnen als nur ein medizinischer Einsatz. Es ist eine Reise in eine andere Dimension – fachlich, kulturell und menschlich.
Schon auf dem Weg nach Guangzhou wird klar, wie groß die Aufgabe ist. Während Deutschland rund 80 Millionen Einwohner zählt, leben im Einzugsgebiet dieser Metropolregion etwa 240 Millionen Menschen. Die Krankenhäuser sind entsprechend stark frequentiert, die Fälle oft komplex – und gerade in der spezialisierten Kinderchirurgie fehlt es noch an Erfahrung mit bestimmten Eingriffen.
Der Alltag vor Ort beginnt früh. Gespräche mit den lokalen Teams, die Sichtung der Patientenakten, die Vorbereitung auf lange OP-Tage. Hand in Hand arbeiten internationale Spezialisten mit den Ärztinnen und Ärzten vor Ort – konzentriert, präzise, mit einem gemeinsamen Ziel: den kleinen Patientinnen und Patienten bestmöglich zu helfen.
Im November 2013 war auch Prof. Dr. med. Martin Lacher Teil dieses Teams. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA und Europa behandelte er in kurzer Zeit rund 20 Kinder mit schweren Erkrankungen wie anorektalen Fehlbildungen oder Morbus Hirschsprung. Jeder Eingriff eine Herausforderung, jede erfolgreiche Operation ein Schritt nach vorn.
Und dann gibt es diese Momente, die sich nicht planen lassen: Mitten während des Einsatzes wird ein Neugeborenes eingeliefert – mit einer angeborenen Fehlbildung der Speiseröhre. Die Situation ist dringend. Für Prof. Lacher und das Team bedeutet das: sofort handeln.
„Wir haben uns entschieden, den Eingriff minimalinvasiv durchzuführen“, erinnert er sich. „Es war das erste Mal, dass diese Methode in Guangzhou angewendet wurde.“ Im OP-Saal verfolgen die chinesischen Kolleginnen und Kollegen jeden Handgriff genau. Was hier geschieht, ist nicht nur eine Operation – es ist gelebter Wissenstransfer in Echtzeit.
Zwischen den Eingriffen bleibt kaum Zeit zum Durchatmen. Und doch ist genau dieser Austausch entscheidend: In Seminaren, in Gesprächen, direkt im OP wird Wissen weitergegeben, diskutiert und gefestigt. Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die bleiben – damit komplexe Eingriffe künftig vor Ort eigenständig durchgeführt werden können.
Wenn das Team schließlich abreist, nehmen sie mehr mit als nur Erfahrungen. Es sind Begegnungen, gemeinsame Erfolge und das Wissen, dass ihr Einsatz langfristig etwas verändert – für die Kinder, für die Kliniken und für die Zukunft der medizinischen Versorgung vor Ort.
