Als Prof. Dr. med. Martin Lacher gemeinsam mit einem internationalen Ärzteteam nach Kroatien reist, steht ein intensiver Einsatz bevor. Das Ziel: Kinder mit schwersten angeborenen Fehlbildungen zu operieren – und gleichzeitig das medizinische Wissen vor Ort nachhaltig zu stärken.
Ende Mai 2016 arbeitet das Team aus Kinderchirurgen aus Deutschland, den Niederlanden und den USA mehrere Tage lang in einem Krankenhaus im kroatischen Klaić. Die Bedingungen sind fordernd, die Fälle komplex. Viele der kleinen Patientinnen und Patienten leiden an seltenen und besonders schweren Fehlbildungen des Harn-, Fortpflanzungs- und Verdauungssystems. In einigen Fällen fehlen natürliche Körperausgänge vollständig oder sind fehlgebildet.
Jeder Eingriff erfordert höchste Konzentration – und viel Zeit. Einige Operationen dauern bis zu acht Stunden. Besonders anspruchsvoll sind die sogenannten kloakalen Fehlbildungen, bei denen Harnwege, Geschlechtsorgane und Darm in einen gemeinsamen Ausgang münden. Allein vier Kinder mit diesem seltenen Krankheitsbild werden während des Einsatzes operiert. Dabei rekonstruieren die Chirurginnen und Chirurgen unter anderem Harnsystem, Vagina sowie Mastdarm und Anus – Eingriffe, die äußerste Präzision und Erfahrung verlangen.
Auch Kinder mit Morbus Hirschsprung werden behandelt – einer seltenen Erkrankung, bei der wichtige Nervenzellen im Darm fehlen. Die Folge: Der Darm kann den Stuhl nicht weitertransportieren, es kommt zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Für zwei Kinder bedeutet die Operation die Chance auf ein gesundes Leben.
Insgesamt eröffnet der Einsatz sechs Kindern eine neue Perspektive. Doch die Wirkung reicht weit über diese Tage hinaus. Bislang mussten viele betroffene Kinder Kroatien verlassen, um in anderen europäischen Ländern oder in den USA behandelt zu werden. Ein belastender Weg für die Familien.
Deshalb ist der Wissenstransfer ein zentraler Bestandteil der Reise: Während der Operationen und in intensiven Gesprächen geben die internationalen Spezialisten ihre Erfahrung an die Ärztinnen und Ärzte vor Ort weiter. So entsteht Schritt für Schritt die Grundlage dafür, dass komplexe Eingriffe künftig auch in Kroatien selbst durchgeführt werden können.
Ein Einsatz, der nicht nur Leben verändert – sondern auch Strukturen, die langfristig tragen.
